Fachbeiträge

NAW

Hintergrund und Stationen der PFT-Normung

·    Über das Vorkommen von PFT in Rhein, Ruhr und Möhne wurde erstmals auf der 72. Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft - Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) - im Mai 2006 durch das Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn (Skutlarek et al) informiert. Erste Pressemitteilungen erschienen Anfang Juni 2006.

·    Untersuchungen ergaben, dass die Kontaminationen in Rhein, Ruhr und Möhne  sowie in einigen Regionen auch in Trink- und Grundwasser auf Bodenverbesserer zurückzuführen waren, die mit PFT-haltigen Abfällen verunreinigt waren. Diese Bodenverbesserer wurden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebracht, wonach die Schadstoffe durch Abschwemmung freigesetzt und in die anliegenden Gewässer gelangen konnten.

Es war der letzte große Umweltskandal in NRW, der mit hohen Kosten für das Land verbunden war und letztendlich vor Gericht verhandelt wurde.

·    Die Untersuchungen zeigten aber auch, dass PFT-Verbindungen weit verbreitet sind und auch aus anderen Bereichen, z. B. Feuerlöschschäume, Galvanikbetriebe, Verpackungen etc., in die Umwelt gelangen können. Befunde in menschlichem Blut und in der Muttermilch sind alarmierende Anzeichen dafür.  Folglich wurde ein EU-weites Verbot von PFT-Chemikalien beschlossen und der Ruf nach genormten Analysenverfahren zur Bestimmung dieser Stoffe wurde lauter.

·    Am 01.04.2008 wurde dann der AK 19 "PFC in Wasser" - angesiedelt im NA 119-01-03-02 UA - durch Frau Dr. Schmidt in Berlin gegründet.

·    Der Arbeitskreis fand ein großes Interesse und konnte durch intensive Arbeit nach nur 6 Sitzungen im März 2010 ein validiertes Verfahren für die Bestimmung von 10 PFT in Wasser zur Normung einreichen. Dem dringenden Bedarf folgend wurde die Norm DIN 38407-42 dann bereits im März 2011 veröffentlicht.

·    Das im AK 19 parallel erarbeitete Verfahren zur  Bestimmung der PFT-Verbindungen in Schlamm, Kompost und Boden wurde im  August 2011 zur Norm veröffentlicht. Zu beiden Verfahren wurden umfangreiche Validierungsdokumente mit guten Ringversuchsergebnissen vorgelegt, wonach der AK 19 im Oktober 2011 seine Arbeiten einstellte.

Die ökologische Relevanz der fluorierten Chemikalien ist auch heute unbestritten und spiegelt sich wider mit der Umweltqualitätsnorm für PFOS in der EU-WRRL und den Grenzwerten in der neuen EU-TrinkwV.

Rolf Reupert, Dormagen

Dipl.-Ing. Rolf Reiner Reupert

(ehemaliger Fachbereichsleiter)

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen

Fachbereich 64

Leiter des Arbeitskreises NA 119-01-03-02-19 AK "PFC in Wasser, Klärschlamm und Boden"

(außerdem Leiter des Arbeitskreises NA 119-01-03-02-16 AK "LC-MS/MS-Verfahren")