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NAW

Umfrage & LieblingsNorm DIN EN ISO 23470:2018

Dr. Reiner Dohrmann

DIN EN ISO 23470, Bodenbeschaffenheit - Bestimmung der effektiven Kationenaustauschkapazität (KAK) und der austauschbaren Kationen mit Hexammincobalt(III)chlorid-Lösung

Was verbindet Sie mit dieser Norm?

R. D.: Ich habe die Methodenvariante, die wir 2018 in der Norm ergänzt haben, selbst entwickelt.

Was gefällt Ihnen an dieser Norm besonders gut?

R. D.: Inhaltlich, dass sie schnelle und richtige Analysen für ein (bis Mitte der 1990er Jahre) jahrzehntelang schier unlösbares Problem liefert. Die Reagenz, mit der gearbeitet wird, basiert auf einem ursprünglichen Ansatz, der in den 1950er Jahren in Frankreich im Rahmen der Dissertation von Morel entwickelt wurde, eine Pionierleistung. Es musste nur noch eine Sättigung der Lösung ergänzt werden. Eine Kombination aus zwei extrem effizienten Ideen.

Wie lange sind Sie schon in der Normung dabei?

R. D.: Seit 2014 als Experte beim DIN, seit 2006 bei der VDLUFA (Verband deutscher landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten für die oben beschriebene Methode.

Gibt es eine Normungssitzung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist (z. B. spektakulärer Ort, Ausflug etc.)?

R. D.: Für mich war die erste Sitzung des NA 119-01-02-02-03 AK "Nährstoffe, Anionen, Summenparameter" in Düsseldorf 2014 in besonderer Erinnerung, hier wurde mir erklärt, wie die Gremien arbeiten und wir haben die 23470-Ergänzung inhaltlich besprochen. Außerdem erinnere ich mich gerne an die Sitzung 2019 bei Fa. Lobbe (Iserlohn) mit Frau Nussbauer als Gastgeberin. Ich stand 1993 schon einmal vor dem damaligen Edelhoff-Gebäude und wollte dort gerne als frisch diplomierter Mineraloge arbeiten. Dann habe ich aber doch begonnen stattdessen über CEC-Methoden zu forschen und war jetzt hier als Experte für CEC-Methoden beim DIN. Ein herrlicher Zirkelschluss.

Haben Sie eine interessante Geschichte/Anekdote oder Erfahrung im Zusammenhang mit der Normungsarbeit?

R. D.: Ja etwas durchaus Persönliches. Herr Dr. Deller vom LTZ Augustenberg sprach mich 2006 an, ob wir eine VDLUFA-Methode normen könnten, basierend auf meiner Dissertation. Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil ich ihn aus der Literatur kannte als einen Bodenkundler, der sich mit den Problemen der CEC-Methoden (vor allem nach Mehlich) intensiv vom Fehler-Mechanismus her befasst hat. Wir haben das dann gemeinsam angepackt und gemacht: 2011 wurde die Methode unter der Kennnummer A 9.5 in das VDLUFA-Methodenhandbuch, Band I aufgenommen. Im Oktober 2013 bat mich Herr Dr. Breuer zur Sitzung des NA 119-01-02-02-03 AK in Düsseldorf zu kommen, um die turnusmäßige Überprüfung der Norm ISO 23470 (KAK mit Hexamincobalt-Trichlorid Lösung) zu besprechen. Dabei haben wir überlegt, die bestehende ISO 23470 um die zuvor von VDLUFA mit Ringversuch getestete Methode zu ergänzen. Diese Ergänzung ist die Normung des wesentlichen Ergebnisses meiner Dissertation, die ich 1993 begonnen hatte und bei der ich davon "geträumt" hatte, dass daraus mal eine Norm werden könnte. Einfach weil ich mir keinen besseren Transfer von Forschung in die Praxis vorstellen konnte.

Was schätzen Sie besonders an der Zusammenarbeit mit den DINern des NAW und was wollten Sie diesen schon immer mal mitteilen?

R. D.: Ich mag die klare Struktur und die fachlich kompetente Arbeit, die Leute sind außerdem einfach nett.

Was glauben Sie wird in der Zukunft die größte Herausforderung für den NAW sein?

R. D.: Ich habe nicht besonders viel Einblick. Ich sehe aber, dass ISO die bestehenden Normen auf viele Stoffgruppen erweitern möchte, einerseits ist das gut. Problematisch wird es sein, die ursprünglichen Zielgruppen nicht zu vernachlässigen "nur um zu wachsen". Manche Beschreibung hatte ihren Sinn, ich meine nicht ältere Messverfahren wie AAS oder Ähnliches, sondern methodische Ansätze wie bei der ISO 11277; diese Norm wurde für die Bodenkunde (aus deren Fachschale die Norm ja stammt) deutlich verschlechtert, trotz aller Einwände.

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