Siebzig JAhre

NAW

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2050

100 Jahre DIN-Normenausschuss Wasserwesen

Wenn sich die Gesetze der Physik nicht radikal ändern, dann wird auch noch in 30 Jahren Trinkwasser und Abwasser in Rohrleitungen transportiert werden. Insofern sollte ein wesentlicher Teil der Normung weiterhin in der Sicherstellung entsprechender Leitungsinfrastrukturen bestehen - sichere Produkte und die dazu gehörenden Leistungen Planung, Bau, Aufbereitung, Transport/Verteilung, Speicherung, Wartung und Sanierung/Erneuerung. 30 Jahre sind, so gesehen, ein überschaubarer Zeitraum.

Was sich verändern wird, ist der Umgang mit den Wasser- und Bodenressourcen. Stichworte sind Klimawandel, Verknappung, Nutzungskonkurrenz. Dies betrifft Deutschland, Europa, die Welt. Wie weit und vielleicht auch falsch der eingeschlagene Weg sein kann, zeigt die SARS-CoV2-Pandemie im Jahr 2020, für deren Beherrschung es Ende des Jahres Möglichkeiten, aber noch keine umfassende Lösung gibt. Normen, Standards und der technische Fortschritt allgemein sind ohne zugrunde liegende stabile politische Rahmenbedingungen, die vor allem das langfristige Wohlergehen der Bevölkerungen zum Ziel hat, wenig mehr als Instrumente sinnvoller Lösungen, deren Anwendung nicht selbstverständlich ist. Bis 2050 sollten wir z. B. das Thema Mikrokunststoffe in der Umwelt mindestens soweit lösen können, dass es keine weiteren Einträge in die Umwelt geben muss und mindestens eine weitgehende Sammlung und Reinigung jeglichen Abwassers mit dem Ziel der Entfernung von Mikrokunststoffen aus dem Abwasserstrom. Was für Mikrokunststoffe gilt, gilt entsprechend für viele andere Stoffe, deren Segen in unserem täglichen Leben leider oft mit einer Belastung der Umwelt einher geht. Einige der Stoffe, die uns heute Kopfschmerzen bereiten, werden dies auch in 30 und mehr Jahren noch tun. Wir werden sie nicht mehr los. Andere kennen wir heute vielleicht noch gar nicht.

Das große (und wichtige) Thema Nachhaltigkeit ist in der Wasserwirtschaft kein neues. Im Gegenteil, es ist das Fundament jeglicher Planung, die auf die Wasserversorgung und Gesundheit von Bevölkerungen ausgerichtet ist. Natürlich wird auch die Digitalisierung weiter Einzug halten, Wasserwirtschaft 4.0 wird dies bereits genannt. In der Praxis wird es aber weiterhin notwendig bleiben, auch ohne digitale Unterstützung Netzpläne lesen und verstehen zu können und Schieber manuell betätigen zu können.

Überhaupt ist das Digitale in den geowissenschaftlich basierten Themenfeldern bereits seit Jahrzehnten etabliert und in entsprechenden Normen als Stand der Technik festgeschrieben. Wie auch die Bereiche der analytischen Chemie, der Biologie und Mikrobiologie in der Praxis nur mit den digitalen Mitteln der Prozesssteuerung und Ergebnisauswertung in der Lage sind, große Untersuchungsumfänge zeitnah zu erledigen. Der Einzug der Digitaltechnik erfolgte hier lautlos und unterliegt einer stetigen Optimierung. Aber auch hier gilt, dass die Untersuchenden wissen müssen, was und wie die Apparate tun, deren Technik sie sich bedienen. Dies muss auch Normung und Standardisierung im Blick behalten.

Wie werden wir in der Normung arbeiten? Die durch die Corona-Pandemie erzwungene Verlagerung der Diskussion in die Netzwelt wird auch nach einem Ende der Pandemie nicht mehr ins Gegenteil umschlagen. Hier haben die Entwicklungen und Erfahrungen gezeigt, dass es auch so geht, dass Kosten und Zeitaufwendungen für Reisen gespart werden können. Eine Entwicklung, die in Flächenstaaten, wie den USA, Kanada und China, und in weltweit agierenden Unternehmen schon vorher Alltag gewesen ist. Wir werden auch viel mehr System überschreitend arbeiten, d. h. starre Organisationsstrukturen werden sich auflösen und neu organisieren können, wo dies erforderlich sein wird.

Nur 30 Jahre in die Zukunft zu blicken lässt kaum Spielraum für phantastische Gedankenspiele - es wird dennoch eine spannende Zeit werden.